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09.08.2010 |
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Nepal Königreich am Dach der Welt
Ein Steckbrief
Fläche : 147.181 km². Einwohner: ca. 23 Mio. Eines der wenigen Länder, in denen es mehr Männer als Frauen gibt. Etwa die Hälfte aller Nepali ist unter 16 Jahre alt. Inflation: ca. 8 %. Armut: Etwa 50 % der Kinder leiden an Mangel- oder Unterernährung, die Säuglingssterblichkeit liegt bei ca: 8 %. Die Lebenserwartung liegt bei 54 Jahren. 93 % der Haushalte behandeln ihr Trinkwasser nicht. Auf einen Arzt kommen fast 25.000 Einwohner (in Deutschland im Durchschnitt 335). Im ganzen Land gibt es etwa 5.000 Krankenhausbetten. Nur knapp 71 % werden jemals zur Schule angemeldet; nur ca. 50 % besuchen die Schule bis zur 5. Klasse. Erschließung: Zwei Eisenbahnlinien und eine feste Straße verbinden Nepal mit Indien und Tibet. Rund 3.435 km des insgesamt 9.600 km umfassenden Straßennetzes sind asphaltiert. Gut entwickelt ist der innerstaatliche Flugverkehr mit Kathmandu als internationalem Flughafen. Lage und Landschaft: Das zwischen seinen großen Nachbarn so winzig wirkende Land ist doch fast 20 % größer als die Schweiz und Österreich zusammen. Als 885 km langes Rechteck erstreckt es sich zwischen 26°12’ und 30°27’ n.B. und 80°4’ und 88°12’ ö.L.. Auf nur knapp 200 km Breite umfasst es Höhenunterschiede – und damit klimatische und botanische Vielfalt – wie kaum eine zweites Gebiet unserer Erde. Die subtropischen Ebenen im Süden liegen nur wenige hundert Meter über dem Meeresspiegel, im Norden aber reihen sich acht der vierzehn Achttausender dieser Welt. Ein Viertel des Landes liegt höher als 3.000 Meter. Politisch liegt Nepal als wichtiger Puffer zwischen den beiden Weltmächten China und Indien, geografisch zwischen Tibet und Indien – und umfasst Landschaften aus beiden Bereichen: Während das Terai an der Südgrenze sich kaum vom indischen Teil der Ganges-Ebene unterscheidet, liegen manche Gegenden im Norden bereits jenseits des Himalaya-Hauptkammes und gehören vom Landschaftsbild zum tibetischen Hochplateau. Dazwischen steigt das Land in mehreren Stufen an. Nepal in seiner heutigen Form und Größe entstand erst in den letzten 200 Jahren. Ursprünglich bezeichnete das Wort Nepal nur die Königreiche des Kathmandu-Tales. Und wenn von Kultur und Architektur Nepals die Rede ist, ist meist die des Kathmandu-Tales und der dort lebenden Newar gemeint. Noch heute sagt der Bauer, der aus den Bergen nach Kathmandu geht, er gehe „nach Nepal“.
Klima: Nepal liegt im Einfluss des Südost-Monsuns, der Kathmandu etwa Mitte Juni erreicht, bis August an Intensität zunimmt und Mitte Oktober zu Ende geht. (In den Gebieten nördlich des Himalaya regnet es auch im Sommer nur wenig). Im Winter ist es trocken (daher fällt Schnee nur in gelegentlichen Schlechtwetterperioden) und der Himmel strahlt blau, die Sicht auf die Berge ist fantastisch; Januar und Februar sind die kältesten Monate. Ab April wird es mit steigender Temperatur dunstiger, so dass man u. U. die Berge kaum noch sieht. Nach der Hitze im Mai wirken die ersten großen Regenfälle dann wie eine Erlösung. Auf einer Höhe von 1.300 m – etwa so weit südlich gelegen wie Florida oder Kairo – findet man in Kathmandu auch im Winter noch angenehme Temperaturen; in den kältesten Nächten sinkt das Thermometer nicht unter den Gefrierpunkt, tagsüber geht man in der Sonne im T-Shirt, bei bewölktem Himmel im leichten Pullover
Bevölkerung: Nepal nennt sich stolz „das einzige Hindukönigreich der Welt“; 86,5 % der Bevölkerung sind Hindus, 7,8 % Buddhisten, 3,5 % Muslime. Viele Volksgruppen praktizieren jedoch eine Art Mischreligion aus Hinduismus und Buddhismus mit teilweise animistischen Einflüssen. Die amtliche Statistik teilt die Bevölkerung in 60 Kasten und Völker auf. In den Ebenen im Süden leben fast ausschließlich Völker indischer Abstammung, deren Sprachen zur indo-europäischen Familie gehören; der äußerste Norden ist von tibeto-birmanischen Völkern besiedelt, deren Sprachen mit dem Tibetischen verwandt sind. Die ethnografische Karte dazwischen sieht aus wie ein buntes Mosaik; oft lebt schon im Nachbardorf ein anderer Volksstamm mit ganz anderen Traditionen.
Den Nepali zu beschreiben ist sicher unmöglich. Der Jäger im Terai, der Reisbauer im Kathmandu-Tal und der Yak-Züchter zu Füßen des Everest haben vielleicht weniger gemein-sam als die Einwohner dreier verschiedener europäischer Länder. Typisch für alle Nepali ist ein hohes Maß an Toleranz; Kastenregelungen werden nicht ganz so genau beachtet, Religions-kriege oder das Bedürfnis nach regionaler Unabhängigkeit gibt es nicht. Man versucht, das Leben zu genießen; man hat Zeit (und Geduld!) und immer ein interessantes Gesprächsthema. Sitten und Gebräuche: Unendlich scheint die Zahl der Verhaltensvorschriften zu sein. Doch der Nepali akzeptiert, dass der ausländische Besucher nicht alle kennen kann. Einige sind so wichtig und allgemein gültig, dass man dem Gastgeber mit deren Beachtung Respekt bezeugen kann.Die linke Hand gilt als unrein, man isst daher ausschließlich mit der rechten. Geschenke überreicht man mit beiden Händen – sie werden aber nicht in Gegenwart des Schenkenden ausgepackt. Vor dem Betreten von Wohnungen, Tempeln und Klöstern zieht man die Schuhe aus – an Heiligtümern geht man übrigens immer links vorbei. Wenn man eingeladen ist, sollte man sich niemals selbst bedienen, nie anderer Leute Essen berühren oder vom eigenen anderen anbieten. Schmatzen und Schlürfen ist sogar erwünscht – ist nichts zu hören, scheint das Essen nicht zu schmecken. Vermeiden Sie es, Ihre Fußsohlen auf irgendjemanden zu richten – auch nicht auf Götterstatuen. Kein Nepali würde auf etwas Gedrucktes, Geschriebenes oder gar auf ein Foto treten. Der Kopf als heiligster Körperteil darf nicht ohne Grund berührt werden. Unhöflich ist es, mit dem ausgestreckten Finger auf eine Person zu zeigen. Wollen Sie jemanden heranrufen, drehen Sie die Handfläche nach unten und wedeln mit den Fingern (was im Westen wegscheuchen bedeuten würde).
Der Austausch von Zärtlichkeiten ist in der Öffentlichkeit selbst unter Ehepaaren tabu. Gleichgeschlechtliche Berührungsängste gibt es hingegen nicht – Frauen umarmen einander, Männer gehen Hand in Hand. Ihre Kleidung sollte Knie und Schultern bedecken, Frauen zeigen keine nackten Beine, Männer gehen nicht ohne Hemd. Fotografieren Sie mit Respekt – dazu gehört auch, die Menschen um Erlaubnis zu fragen, bevor man sie ablichtet.
Sprache: Die Einwohner Nepals sprechen mindestens 32 mehr oder weniger eigenständige Sprachen, die sich den beiden großen Gruppen indo-europäisch und tibeto-birmanisch zuordnen lassen. Die Staatssprache Nepali ist zugleich Muttersprache für etwa die Hälfte der Einwohner. Sie gehört zu den indo-europäischen Sprachen und ist mit dem Sanskrit verwandt. Die Schrift ist Devanagari (in der auch die indische Nationalsprache geschrieben wird). Die Sprache ist hoch entwickelt, von der grammatikalischen Komplexität dem Deutschen oder Französischen vergleichbar. Die korrekte Aussprache ist aufgrund von 36 verschiedenen Konsonanten relativ schwierig zu erlernen. Die Umsetzung in unsere Schrift ist nicht eindeutig reglementiert.
Wirtschaft: Mit einem statistischen Pro-Kopf-Einkommen von etwa 160 US $ pro Jahr ist Nepal eines der ärmsten Ländern der Welt. Über 80 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt und ringen auch dem steilsten Hang noch Anbaufläche ab – in den Bergen Nepals gibt es etwa 450.000 ha Terrassenfelder. Angebaut werden je nach Höhenlage und Jahreszeit Reis (bis 2.000 m), Mais, Weizen, und Gerste, Hirse und Raps. Kartoffeln wachsen bis über 4.000 m, wo ansonsten nur noch Viehzucht möglich ist. Die Erträge können eigentlich die gesamte Bevölkerung ernähren, aufgrund unzureichender Lager- und Transportmöglichkeiten leiden jedoch in den Bergen, vor allem im äußersten Westen, viele Leute unter permanentem Mangel. Trotz der guten Absichten der Landreform 1964 ist der Landbesitz immer noch sehr ungleich verteilt: 9 % der Bevölkerung besitzen mehr als die Hälfte des Bodens. Nepals Industrie (v. a. im Kathmandu-Tal und im Terai) beschäftigt wenig mehr als 1 % der Bevölkerung. Die meisten Waren müssen importiert werden. Wichtigster Handelspartner ist Indien, gefolgt von China.
Wichtigste Devisenbringer sind der Tourismus und die Entwicklungshilfe, Tibeter-Teppiche, Kleidung (und Leder).
Quellen: Auswärtiges Amt Berlin, polyglott on tour, internet www.nepal.de., und andere.
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Stand: 09.08.10